Mittwoch, 23. Juni 2010

Ich bin der Weinstock

Die entscheidende Frage dieses Tages lautet: „Werden wir Weltmeister oder nicht?“

Die aktuelle Ausgabe der IDEA hat als Slogan auf ihrer Titelseite den Satz: „Im Fußball siegt nur einer – Bei Christus gewinnt jeder!“

Nun geht es jetzt und hier nicht um das entscheidende Spiel, aber vielleicht kann uns der Fußball dabei helfen, wesentliche geistliche Einsichten zu gewinnen.

Ganz ähnlich hat es ja Jesus schon damals gemacht. Er nahm bekannte Alltagsbilder seiner Zeitgenossen und brachte so unübertroffen geistliche Wahrheiten auf den Punkt, wie in seiner bekannten Rede vom Weinstock, Johannes 15, Verse 1 bis 8 (Einheitsübersetzung): Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.

Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.

Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.

Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Nun hat Jesus nicht gesagt: „Ich bin der Fußball!“, sondern: „Ich bin der Weinstock!“

Obwohl er tatsächlich wie ein Fußball – und das bis heute – von den Menschen und manchmal sogar von seinen Nachfolgern – behandelt wird!

Getreten, gestoßen, weggekickt und weggeschossen!

So hat er sich für uns hingegeben und wenn wir gleich das Abendmahl feiern, werden wir daran neu erinnert: Das er sein Leben für unser Leben gegeben hat, damit wir dieses Leben überleben!

Aber dieses Ich-Bin-Wort von dem Weinstock stellt nicht so sehr seine Hingabe und seinen Dienst für uns heraus, sondern vielmehr seine unermessliche Kraft und zugleich die absolute Notwendigkeit jetzt auch aus ihm heraus tagtäglich zu leben.

Im Gegensatz zu seinem Wort von dem Brot (Johannes 6, Vers 35), wo er sich als das grundsätzliche Lebensmittel vorstellte - das Mittel zum Leben schlechthin - so ist dieses Wort vom Wein in der Bibel immer ein Wort des Überflusses und des Reichtums.

So notwendig und lebenswichtig es für uns als Christen ist, ganz fest als Reben am Weinstock zu bleiben, so werden wir mit diesem Wort zugleich herausgefordert den überfließenden Reichtum, den Jesus uns durch die enge Beziehung zu ihm schenken will, auch wirklich zu nutzen!

Vielleicht hätte Jesus heute gesagt: Ich bin der Mannschaftskapitän und mein Vater ist der Teamchef. Jeder Spieler in meiner Mannschaft, der nichts bringt, muss auf die Reservebank, und jeder Spieler, der seine Sache gut macht, wird trainiert, damit er noch besser wird.

Oder er hätte vielleicht gesagt: Ich bin der Mannschaftskapitän und mein Vater ist der Schiedsrichter. Jeder Spieler in meiner Mannschaft, der andere foult, bekommt die rote Karte gezeigt, und jeder Spieler, der seine Sache gut macht, wird trainiert, damit er noch besser wird.

Nur eins hat Jesus nie gesagt: Ich bin der Mannschaftskapitän und ihr seid die Zuschauer!

Bei der WM gibt es heute eine Menge Zuschauer, aber beim Glauben an Jesus gibt es keine Zuschauer. Es gibt nur aktive Mitspieler. Allen passiven – fruchtlosen – Zuschauern sagt Jesus in seiner Rede vom Weinstock: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab.

Beat Fuhrimann, Sportpastor und Mitarbeiter des „Missionswerkes Sportler ruft Sportler in der Schweiz“, hat auf die Frage: „Was kann die Kirche von der Fußball-Begeisterung lernen?“, geantwortet: Vielleicht sogar mehr, als uns lieb ist. Fußball auf Weltmeisterchaftsniveau erfordert einen enormen Einsatz an Zeit und Kraft. Diese Leistungsdichte ist nur durch eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft, harte Arbeit, Hingabe, Leidenschaft, Disziplin und Trainingsfleiß zu bewerkstelligen. Die Spitzensportler haben ein Ziel vor Augen: das Beste zu geben für ihr Land, für den Sieg!

Sind das nicht alles Eigenschaften, die der Kirche gut stünden? Oder ist totale Hingabe, harte Arbeit und Begeisterung für den Herrn der Kirche „etwas völlig anderes“?

IDEA Nr. 26/2002, Seite 15

Die „Zuschauer“ sind die Welt, die uns Christen beim Spiel zuschaut (siehe Matthäus 5, Verse 13 bis 16: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.)!

Genauso wie keiner aus der Mannschaft alleine den Pokal holen kann, sondern wenn sie es heute schaffen, dann schaffen sie es nur zusammen - so gibt es auch keine Weinrebe, die losgelöst und ganz allein für sich steht, sondern es gibt nur Reben im Verbund eines Weinberges! Reben, die also einerseits beieinander und miteinander stehen und andererseits davon und dadurch leben, dass sie ganz fest mit dem Weinstock verbunden sind.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Mit dem Bild vom Weinstock gebraucht Jesus ein typisches Bild, dass zum religiösen Erbe des Volkes Israel gehörte. An vielen Stellen des Alten Testaments wird Israel mit einem Weinstock oder Weinberg verglichen. „Israel ist der Weinberg und Weinstock Gottes“ lautete die alttestamentliche Botschaft der Propheten.

Diese Vorstellung war im jüdischen Volke so lebendig, dass der Weinstock schließlich zum Symbol des Volkes Israel wurde. Die Münzen der Makkabäer trugen als Emblem einen Weinstock, wie die DM einen Adler hatte.

Wenn Jesus laut Johannes 15 darauf hinweist, dass er der Weinstock ist, und sogar sagt: „Ich bin der wahre und wirkliche, der wahrhaftige und rechte Weinstock“, dann muss sich das für jüdische Ohren wie eine Provokation angehört haben.

Doch schon im Alten Testament wird deutlich, dass Israel zwar der von Gott gepflanzte Weinstock ist, aber ein fruchtloser und verwilderter Weinstock wurde. Das Symbol des Weinstocks wird im Alten Testament nie anders als im Zusammenhang mit Entartung und Verwilderung gebraucht.

So hat es nicht nur der Prophet Jesaja (siehe Jesaja 5, Verse 1 bis 7) gesagt, sondern Jesus selbst hat dieses harte Gerichtswort gebraucht, Matthäus 21, Verse 33 bis Vers 43 (Einheitsübersetzung – siehe auch Markus 12, Verse 1 bis 12 und Lukas 20, Verse 9 bis 19): Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erstemal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?

Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?

Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.

Indem Jesus jetzt dieses Bild vom Weinstock für sich beansprucht, sagt er damit: „Ihr vom Volk Israel meint, dass ihr aufgrund eurer Volkszugehörigkeit schon Reben am Weinstock seid. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ihr seid - wie schon eure Propheten sagten - ein entarteter und verwilderter Weinberg!“

So ist dieses Wort vom Weinstock zum einen ein Gerichtswort gegen eine entartete äußerlich korrekte, aber innerlich leblose Frömmigkeit und zum anderen die Einladung nicht aus einer Volks- oder Gemeinde-zugehörigkeit seine Lebenskraft zu beziehen, sondern einzig und allein aus dem Weinstock, der Jesus Christus heißt!

Das Wort vom Weinstock ist eine Selbstoffenbarung Jesu und damit stellt er hier den Absolutheitsanspruch und zugleich gibt uns Jesus mit diesem Wort auch eine Standortbestimmung an die Hand:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Jesus ist der Weinstock, die Grundlage, das Fundament, die Quelle, der Mannschaftskapitän.

Sein Vater ist der Winzer, der Trainer und der Schiedsrichter.

Wir als Christen sind die Reben und dazu bestimmt Frucht zu bringen!

Sein Vater – und nicht die Reben – entscheidet, wer Frucht bringt und was Frucht ist. Sein Vater – und nicht die Reben – schneidet die fruchtlosen und toten Reben ab und reinigt die fruchtbringenden Triebe. Dasselbe drückt Paulus im 1. Korintherbrief 3, Verse 11 bis 16 (Hoffnung für alle) so aus: Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen. Nun kann man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen. Manche verwenden Gold, Silber, kostbare Steine, andere nehmen nur Holz, Schilf oder Stroh. Doch an dem Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich zeigen, womit jeder gebaut hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert geprüft, und es wird sichtbar, wessen Arbeit dem Feuer standhält.

Hat jemand fest und dauerhaft auf dem Fundament Christus weitergebaut, wird Gott ihn belohnen. Verbrennt aber sein Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar aus dem Feuer gerettet werden, aber nur mit knapper Not.

Denkt also daran, daß ihr Gottes Bauwerk und sein Tempel seid, daß Gottes Geist in euch wohnt!

Wir sind als Christen also nicht dazu bestimmt, das Leben unserer Mitchristen zu beurteilen oder gar zu verurteilen, sondern Frucht zu bringen.

Unsere Platzanweisung als Christen in dem Bildwort Jesu ist einzig und allein, als Reben mit dem Weinstock verbunden zu bleiben, um so Frucht bringen zu können!

Aber unsere Aufgabe als Christen ist es nicht, andere abzuschneiden oder zurechtzustutzen. Wir sind nicht zu Schiedsrichtern berufen, sondern als Reben, um miteinander am Weinstock zu bleiben.

Bleiben bedeutet:

1. Vom Weinstock zu leben!

Keine Rebe kann vom Weinstock Urlaub machen! Es reicht auch nicht, wenn die Rebe an einem Tag in der Woche am Weinstock hängt. Reben sind lebenslang und rund um die Uhr am Weinstock, um als Reben leben zu können! Und genauso kann man nur ganz oder gar nicht Christ sein!

2. Beschnitten zu werden!

3. Frucht zu bringen!

4. Ohne Jesus nichts zu tun!

5. Gebetserhörungen zu erleben!

6. Gott zu verherrlichen!

7. Immer Jünger zu werden!

(entnommen aus http://www.siegiochs.de/bin05.htm, Krefeld, den 30. Juni 2002
Pastor Siegfried Ochs)

Donnerstag, 17. Juni 2010

Schatten

Manchmal ist das Leben wie ein Schatten
dem die Sonne fehlt

wo man sich versteckt vor dem Dunkel
weil man keine Sonne sieht

Und das Licht scheinbar nicht scheint
weil man da hinschaut, wo kein Licht ist.

Montag, 10. Mai 2010

Gottes Teppich

1. Denk daran im finstern Leide,
wenn dein Herz im Dunkel bebt:
Von der umgekehrten Seite,
Gott stets einen Teppich webt.

2. Sieh, wie gehn doch die Fäden
links so bunt, bald kreuz bald quer.
du entdeckst bald nichts als Schäden
als ob alles Wirrwarr wär.

3. Welche wüste schlechte Decke!
rufst du voll Enttäuschung dann:
Wirf sie doch in eine Ecke,
wo sie niemand sehen kann.

4. Doch nur immer langsam Lieber!
Dreh doch mal das Kunstwerk um,
und du wunderst dich darüber
wie du warst so schrecklich dumm!

5. Nein! Rufst du mit einer Träne
wie geschmackvoll und wie fein!
Welche Harmonie und Schöne,
da ist auch kein Fehlerlein!

6. Merkst du, was ich dir will sagen,
mit dem Bild vom Teppich hier?
Lern vertrauen, statt zu klagen,
Gott macht alles recht mit dir .

7. Siehst du gleich auf dieser Erde
stets die linke Seite nur:
Nichts als Trübsal und Beschwerde
und von Gott auch keine Spur.

8. Glaube doch, daß alle Pfade,
die der Höchste dich je führt,
voll von Liebe sind und Gnade,
wie sichs deinem Gott gebührt.

9. Sei getrost, es kommt die Stunde,
wo vom ewgen Licht verklärt,
jede einst empfangne Wunde
deinen Ruhm und Preis vermehrt.

10. Was als Wirrwarr du beklagtest
zeigt in schöner Ordnung sich.
Jedes Opfer, das du brachtest,
freut dich nun ganz königlich.

11. Bald beginnt die Freudenernte
und die Tränensaat hört auf.
Wohl die Decke, welche lernte,
Gott vertraun im Pilgerlauf.

Friedrich Traub

Mittwoch, 21. April 2010

Gottes Gabe

Der Kampf ist heiß, die Last ist schwer,
oft seufzt du müde: ich kann nicht mehr,
doch halte nur aus, einst wird dir es klar,
wie nötig hier unten das Kreuz hier war.

Auf hartem Stein am Wegesrand,
sitzt müde ein Pilger, den Stab in der Hand.
Er kann nicht weiter, er ist zu matt,
weil er so viel Schweres zu tragen hat.

Still schaut er im Geist den Weg, den er kam,
er fing einst so herrlich im Sonnenschein an.
Nun denkt er in stiller Wehmut zurück.
Liegt doch in Trümmern, was einst war sein Glück.

Nichts ist ihm geblieben, so arm und allein,
muß er ins hohe Alter hinein.
Da krampft das Herz sich zusammen von Weh,
mein Gott, warum muß diesen Weg ich gehn?

Und über dem Denken und über dem Sinnen,
ihm heiß von der Wange die Tränen rinnen.
Doch nach und nach wird’s still in der Brust,
er ist sich der Gotteskindschaft bewußt.

Drum schaut er im Glauben hinauf zur Höh,
dort wird sich’s klären, was ich hier nicht versteh.
So faßt er den Stab und mit schwerem Gang,
zieht zur Hütte er dort am Bergeshang.

Legt müde vom Wandern zur Ruhe sich hin,
noch zieht so manches ihm durch den Sinn.
Auf all‘ seine Sorgen und was er geklagt
im Traum Gott selber die Antwort ihm gab.

Er sieht sich als Pilger, den Stab in der Hand,
von Ort zu Ort wandern, im Pilgergewand.
Das Ziel seiner Hoffnung ist jene Stadt,
die Gott, der Herr, selbst gegründet hat.

Und auf dem Rücken ein Kreuz er trägt,
Das ist die Last, die Gott ihm auferlegt.
Er wandert mutig, das Ziel winkt von fern,
schon glänzt die Stadt wie ein goldener Stern.

Und heißt brennt die Sonne, das Kreuz drückt schwer,
er muß nochmals ruhen, er kann nicht mehr.
Dort steht ja ein Hüttchen so schmuck und klein,
da nimmt er sein Kreuz ab und ruht fein.
Als er dann weiter des Weges will gehen,
da sieht eine Säge er neben sich stehn.
Da denkt er, das Kreuz ist zu lang und zu schwer,
du sägst etwas ab, dann drückt dich’s nicht mehr.

Gesagt, getan, nun war leichter die Last.
Er denkt: wie gut, daß du’s abgesägt hast.
Nun geht das Wandern bequem und leicht,
jetzt ist das Ziel viel schneller erreicht.

Bald sieht er die Stadt auch schon vor sich stehn,
wie herrlich und schön ist sie anzusehn.
Ein Graben nur trennt ihn von der Stadt,
der aber keine Brücke hat.

Er läuft entlang, er sucht und sinnt,
doch nirgends er eine Brücke findt.
Da fällt ihm das Kreuz auf dem Rücken ein,
vielleicht könnt‘ das ihm jetzt Brücke sein.

Er nimmt’s und schiebt’s über den Graben her,
doch ist’s zu kurz, es reicht nicht mehr.
Es fehlt das Stück, das er abgesägt.
Ach, hätt‘ ich doch nicht, seufzt er tiefbewegt.

Nun steh ich hier, so nahe am Ziel
Und kann nicht hin, weil mir‘s Kreuz nicht gefiel.
Er weint, er schreit, er klagt sich an,
weil er schuld, dass nun zur Stadt er nicht kann.

Da, noch ein Pilger, der auch ein Kreuz trägt,
von dem er aber nichts abgesägt.
Der kommt zum Graben, schiebts Kreuz drüberhin
und geht in die Stadt mit fröhlichem Sinn.

Da denkt unser Pilger, ich will doch sehn,
Ob über das Kreuz ich hinweg kann gehen.
Er tritt hinzu – o weh, es kracht.
Mit einem Schreck ist er aufgewacht.

Er sieht sich im Zimmer, er ist noch hier,
mein Gott, von Herzen dank ich dir.
Es war nur ein Traum, doch die Angst und Qual
möchte ich durchkosten nicht noch einmal.

Ich seh‘ nun mein Kreuz an als göttliche Gab‘
Und säg von demselben jetzt nichts mehr ab.

So muß es sein, wie der Vater es macht.
Und geht auch der Weg durch Trübsal und Nacht.
Ich harre still aus, trage Trübsal und Leid:
Es ist ja nur Brücke zur Herrlichkeit.

Und du, der du auch ein Kreuz noch trägst,
und es kürzen willst, indem du dran sägst,
Tu’s nicht, denn es ist eine göttlich Gab,
du sägst nur den göttlichen Segen dir ab.

(Verfasser unbekannt)

Montag, 15. März 2010

Schatten

Manchmal ist das Leben wie ein Schatten
dem die Sonne fehlt

wo man sich versteckt vor dem Dunkel
weil man keine Sonne sieht

Und das Licht scheinbar nicht scheint
weil man da hinschaut, wo kein Licht ist.

Freitag, 25. Dezember 2009

Weihnachtsbeleuchtung

Sonntag, 1. Advent, 10 Uhr

In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg lässt die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert drei Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus. Die Freude ist groß.

10:14

Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des zehnarmigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 elektrischen Fensterdekorationen.

19:03

Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst noch arglos.

20:17

Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogenfilmleuchten durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens an das Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20:56

Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachlichen Stimmung beizutragen, und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensamble "Metropolis", das zu den Leistungsstärksten Europas zählt. Die 40 Meter hohe Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.

21:30

Im Trubel einer Julklubfeier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21:50

Der 85jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs "Varta Volkssturm" den Stern von Betlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22:12

Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapor Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmayer gelandet.

22:37

Die NASA-Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die Experten in Houston sind ratlos.

22:50

Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerkes Sottrup-Höcklage. Der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23:06

In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht die Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23:12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23:12:14

In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verstörte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

Ich liebe Schnee!

Ich liebe Schnee ...

8. Dezember 18:00

Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schweben. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch - wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

9. Dezember

Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick ! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben ? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder heraus. Was für ein tolles Leben.

12. Dezember

Die Sonne hat unseren ganzen tollen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar hat gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich ! Bob sagt, dass wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, dass ich nie wieder Schnee sehen will. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Bob ist sehr nett - ich bin froh. dass er unser Nachbar ist.

14. Dezember

Schnee, wundervoller Schnee, 130 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf -20 Grad gesunken. Die Kälte lässt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim Schaufeln wieder aufgewärmt. Das ist ein Leben ! Der Schneepflug kam heute Nachmittag wieder zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, dass ich soviel würde schaufeln müssen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte, ich würde nicht so Pusten und Schnaufen.

15. Dezember

60 cm Vorhersage. Habe meinen Kombi verkauft und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto meiner Frau und zwei Extraschaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt. Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich - schließlich sind wir doch nicht in Alaska.

16. Dezember

Eissturm heute Morgen. Bin in der Einfahrt auf den Arsch gefallen. als ich Salz streuen wollte. Tut höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich grausam.

17. Dezember

Immer noch weit unter Null. Die Strassen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war 5 Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein Fernseher. Nichts zu tun, als meine Frau anzustarren und zu versuchen, sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie Recht hat ! Ich hasse es, in meinem eigenen Wohnzimmer zu erfrieren !

20. Dezember

Der Strom ist wieder da, aber noch mal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr zu schaufeln. Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei. Habe versucht eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber die sagen, sie hätten keine Zeit, weil sie Hockey spielen müssen. Ich glaube, dass die lügen. Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die hatten keine mehr. Kriegen erst im März wieder welche rein. Ich glaube, dass die lügen. Bob sagt, dass ich schaufeln muss oder die Stadt macht es und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, dass er lügt.

22. Dezember

Bob hatte recht mit weißer Weihnacht, weil heute Nacht noch mal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen sind und es ist so kalt. dass es bis August nicht schmelzen wird. Es hat 45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln und dann musste ich pinkeln. Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht für den Rest des Winters Bob anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen hat, aber er sagt, dass er zu viel zu tun hat. Ich glaube, dass er lügt.

23. Dezember

Nur 10 cm Schnee heute. Und es hat sich auf 0 Grad erwärmt. Meine Frau wollte, dass ich heute das Haus dekoriere. Ist die bekloppt ? Ich habe keine Zeit - ich muss SCHAUFELN !! Warum hat sie es mir nicht schon vor einem .Monat gesagt ? Sie sagt, sie hat, aber ich glaube, dass sie lügt.

24. Dezember

20 Zentimeter. Der Schnee ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben worden, dass ich die Schaufel abgebrochen habe. Dachte, ich kriege einen Herzanfall !. Falls ich jemals den Arsch kriege, der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Haaren durch den Schnee, ich weiß genau, dass er sich hinter der Ecke versteckt und wartet, bis ich mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Straße runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Musste nach dem Schneepflug Ausschau halten.

25. Dezember

Frohe Weihnachten. 60 cm mehr von der .....!!! Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln lässt mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee ! Dann kam der Schneepflugfahrer vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab ihm meine Schaufel über den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, dass ich schlechte Manieren habe. Ich glaube, dass sie eine Idiotin ist.

26. Dezember

Immer noch eingeschneit. Warum um alles in der Welt sind wir hierher gezogen ? Es war alles IHRE Idee. Sie geht mir echt auf die Nerven.

27. Dezember

Die Temperatur ist auf -30 Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.

28. Dezember

Es hat sich auf -5 Grad erwärmt. Immer noch eingeschneit - DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT !!!

29. Dezember

Nochmal 30 Zentimeter. Bob sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss, oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich ?

30. Dezember

Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000 Euro Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.

31. Dezember

Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr Schaufeln.

8. Januar

Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt ???